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Aya Efimia in Kadıköy: Eine griechisch-orthodoxe Kirche mitten im Zentrum einer Stadt, deren christliche Gemeinden viel kleiner geworden sind

Mitten im geschäftigen Kadıköy steht eine griechisch-orthodoxe Kirche, an der täglich tausende Menschen vorbeilaufen. Die Aya-Efimia-Kirche wirkt im Vergleich zu Hagia Sophia oder St. Antonius bescheiden. Gerade deshalb ist sie wichtig. Sie ist kein Monument eines untergegangenen Reiches, das nur noch als Museum existiert, sondern Teil einer heute sehr kleinen, aber weiterhin lebendigen orthodoxen Gemeinde.

Aya Efimia in Kadıköy: Eine griechisch-orthodoxe Kirche mitten im Zentrum einer Stadt, deren christliche Gemeinden viel kleiner geworden sind
Foto: Alexjes98 (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons
Mitten im geschäftigen Kadıköy steht eine griechisch-orthodoxe Kirche, an der täglich tausende Menschen vorbeilaufen. Ihr Name erinnert an die heilige Euphemia und das berühmte Konzil von Chalcedon 451.

Die Geschichte des Christentums in Chalcedon, dem antiken Kadıköy, reicht weit zurück. Besonders berühmt ist das Konzil von Chalcedon im Jahr 451, eines der bedeutendsten Kirchenkonzilien der Spätantike. Die heutige Kirche steht nicht einfach unverändert seit dieser Zeit, und man darf sie nicht mit dem damaligen Konzilsort gleichsetzen. Trotzdem trägt der Name der heiligen Euphemia eine direkte Erinnerung an diese viel ältere christliche Geschichte.

Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Kadıköy entspricht dem antiken Chalcedon.
  • Die heilige Euphemia war eine frühchristliche Märtyrerin, die mit Chalcedon verbunden wird.
  • 451 fand hier das berühmte Konzil von Chalcedon statt.
  • Die heutige Aya-Efimia-Kirche ist wesentlich jünger als die Spätantike.
  • Sie gehört zur griechisch-orthodoxen Gemeinde Istanbuls.
  • Die griechische Bevölkerung der Stadt schrumpfte im 20. Jahrhundert durch politische Krisen, Gewalt und Auswanderung stark.
  • Die Kirche ist bis heute aktives Gotteshaus.

Kadıköy hieß einst Chalcedon

Lange bevor Kadıköy einer der lebendigsten Bezirke der modernen Türkei wurde, lag hier die griechische Stadt Chalcedon. Sie wurde in der Antike gegenüber von Byzantion gegründet und entwickelte sich zu einem wichtigen Ort am asiatischen Bosporusufer.

Die Lage war hervorragend, trotzdem erzählte eine berühmte antike Legende später, die Gründer von Chalcedon müssten „blind“ gewesen sein, weil sie die vermeintlich bessere Position von Byzantion auf der anderen Seite nicht gewählt hätten. Solche Geschichten sind eher politische Selbststilisierung als seriöse Stadtplanungskritik aus der Antike.

Wer die heilige Euphemia war

Euphemia soll zu Beginn des 4. Jahrhunderts während der Christenverfolgungen den Märtyrertod erlitten haben. Ihre Verehrung entwickelte sich in Chalcedon stark, und eine große Kirche beziehungsweise Basilika wurde mit ihrem Grab verbunden.

Wie bei vielen frühchristlichen Märtyrerbiografien vermischen sich historische Erinnerung und spätere hagiografische Ausschmückung. Dass Euphemia bereits früh verehrt wurde, ist gut belegt. Die exakten dramatischen Einzelheiten ihres Martyriums stammen jedoch aus religiöser Überlieferung.

Das Konzil von Chalcedon 451

451 versammelten sich hunderte Bischöfe in Chalcedon, um über zentrale theologische Fragen zu beraten. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die göttliche und menschliche Natur Christi zueinander zu verstehen seien. Das Konzil formulierte eine Lehre von Christus als wahrhaft göttlich und wahrhaft menschlich in zwei Naturen.

Diese Entscheidung prägte die weitere Geschichte des Christentums fundamental. Sie führte zugleich zu tiefen Spaltungen. Mehrere orientalisch-orthodoxe Kirchen akzeptierten die chalcedonische Formel nicht in derselben Weise. Ein theologischer Streit aus dem 5. Jahrhundert wirkt deshalb bis heute in kirchlichen Strukturen nach.

Die heutige Kirche

Die heutige Aya-Efimia-Kirche ist kein erhaltenes Konzilsgebäude des Jahres 451. Sie gehört zu einer späteren Baugeschichte und wurde in osmanischer beziehungsweise neuzeitlicher Zeit erneuert. Trotzdem bewahrt sie den Namen und die Erinnerung an die Märtyrerin von Chalcedon.

Im Inneren findet man Ikonen, eine Ikonostase und die typische räumliche Ordnung einer orthodoxen Kirche. Besucher sollten sich bewusst machen, dass dies kein bloßes historisches Schaustück ist. Menschen kommen hier tatsächlich zum Gebet.

Griechische Gemeinden im osmanischen Kadıköy

Kadıköy hatte über lange Zeit eine bedeutende griechisch-orthodoxe Bevölkerung. Daneben lebten Armenier, Muslime, Juden und andere Gemeinschaften. Kirchen, Schulen und Vereine prägten das soziale Leben.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wuchs Kadıköy stark. Fähren und Bahnverbindungen machten den Bezirk attraktiver, und christliche Mittelschichten spielten in Handel und Kultur eine wichtige Rolle. Viele heute noch sichtbare Häuser und Kirchen stammen aus dieser kosmopolitischen Phase.

1955 und die Gewalt gegen Istanbuler Griechen

Die Pogrome vom 6. und 7. September 1955 trafen insbesondere griechische Geschäfte, Häuser, Kirchen und Friedhöfe in Istanbul. Auch Armenier und Juden wurden angegriffen. Die Gewalt wurde durch politisch manipulierte Nachrichten im Zusammenhang mit Zypern und einem Anschlag auf Atatürks Geburtshaus in Thessaloniki angeheizt.

Diese Ereignisse beschleunigten die Abwanderung der griechischen Bevölkerung erheblich. Weitere politische Maßnahmen in den 1960er-Jahren führten dazu, dass viele Griechen Istanbul verlassen mussten oder sich zur Ausreise entschieden. Die heutige kleine Gemeinde ist deshalb nicht einfach Ergebnis „normaler Modernisierung“.

Abwanderung und kleine Gemeinden heute

Von einer einst großen griechischen Gemeinschaft ist nur ein Bruchteil geblieben. Trotzdem existieren Kirchen, Schulen, Stiftungen und kulturelle Einrichtungen weiter. Manche Gemeinden bestehen nur aus wenigen regelmäßigen Mitgliedern und müssen dennoch historische Gebäude erhalten.

Das macht Orte wie Aya Efimia besonders wichtig. Sie sind nicht nur Erinnerung an verschwundene Bevölkerungsgruppen, sondern zeigen, dass die Gemeinschaft nicht vollständig verschwunden ist.

Aya Efimia in Kadıköy: Eine griechisch-orthodoxe Kirche mitten im Zentrum einer Stadt, deren christliche Gemeinden viel kleiner geworden sind
Foto: QuartierLatin1968 (CC BY-SA 3.0), via Wikimedia Commons

Warum offene Gotteshäuser wichtig sind

Wir waren auch in einer Kirche in Kadıköy, und genau wie bei St. Antonius ist mir vor allem der respektvolle Umgang aufgefallen. Menschen kommen hinein, schauen, manche beten, andere sind einfach interessiert. Niemand muss seine eigene Religion ablegen, um die Schönheit eines anderen Gotteshauses anzuerkennen.

Diese Haltung sollte eigentlich selbstverständlich sein. Gerade in einer Stadt mit so viel religiöser Geschichte zeigt sich Respekt nicht darin, dass jeder dasselbe glaubt, sondern dass Menschen verschieden glauben können, ohne einander den Raum abzusprechen.

Mythos oder Fakt?

„In dieser heutigen Kirche fand 451 das Konzil von Chalcedon statt.“ Nein. Die heutige Kirche ist wesentlich jünger; sie erinnert über Name und Tradition an die ältere christliche Geschichte Chalcedons.

„In Kadıköy gibt es keine griechische Gemeinde mehr.“ Falsch. Sie ist sehr klein geworden, aber weiterhin vorhanden.

„Die heutige Kirche ist exakt der Ort des Konzils von Chalcedon.“ So einfach lässt sich das nicht sagen. Das Konzil fand im Bereich des antiken Chalcedon in Verbindung mit dem damaligen Euphemia-Heiligtum statt; die heutige Kirche ist eine spätere Anlage.

„Nach 1453 gab es in Istanbul keine christlichen Kirchen mehr.“ Falsch. Christliche Gemeinden und Gotteshäuser blieben Teil der osmanischen Hauptstadt.

Die Geschichte christlicher Gemeinden in Kadıköy

Kadıköy, das antike Chalkedon, besitzt eine christliche Geschichte, die weit in die Spätantike zurückreicht. Besonders berühmt ist das Konzil von Chalkedon 451, eines der wichtigsten Konzilien der frühen Kirche. Auch wenn die heutige Aya-Efimia-Kirche nicht einfach der unveränderte Bau aus dem 5. Jahrhundert ist, erinnert der Name an diese tiefe religiöse Vergangenheit.

Christliche Gemeinden blieben auch unter osmanischer Herrschaft Teil der Stadt. Griechisch-orthodoxe Kirchen, armenische Gotteshäuser und später katholische Gemeinden prägten verschiedene Viertel der asiatischen Seite.

Kadıköy war damit nie religiös eindimensional.

Wer die Heilige Euphemia war

Euphemia war nach christlicher Überlieferung eine junge Märtyrerin aus Chalkedon, die während der römischen Christenverfolgungen starb. Ihr Grab beziehungsweise Heiligtum entwickelte sich früh zu einem wichtigen Pilgerort.

Beim Konzil von Chalkedon spielte ihre Verehrung eine besondere symbolische Rolle. Spätere Legenden erzählen, dass Streitfragen durch ein Wunder an ihrem Schrein entschieden worden seien.

Historisch ist die Existenz einer bedeutenden Euphemia-Verehrung gut belegt; einzelne Wundergeschichten gehören zur religiösen Überlieferung.

Das Konzil von 451 und seine enorme Bedeutung

Beim Konzil von Chalkedon diskutierten Bischöfe zentrale Fragen darüber, wie die göttliche und menschliche Natur Christi theologisch verstanden werden sollte.

Die dort formulierte Definition prägte die orthodoxe und katholische Christologie nachhaltig. Gleichzeitig lehnten andere Kirchen die Beschlüsse ab, wodurch sich langfristige kirchliche Trennlinien entwickelten.

Damit wurde Chalkedon zu einem Namen, der in Kirchengeschichte weltweit bekannt ist.

Die heutige Kirche im modernen Kadıköy

Die heutige Aya-Efimia-Kirche steht mitten in einem dicht belebten Stadtbereich. Außen kann sie zwischen Geschäften und Straßen leicht übersehen werden.

Gerade das finde ich faszinierend. Man läuft durch ein modernes Viertel, und plötzlich befindet sich hinter einer Tür ein Gotteshaus, dessen Name auf mehr als anderthalb Jahrtausende christlicher Erinnerung verweist.

Der Kontrast könnte kaum größer sein.

Architektur und Innenraum

Die Kirche ist wesentlich kleiner als St. Antonius auf der İstiklal. Trotzdem besitzt sie eine warme, intime Atmosphäre.

Aya Efimia in Kadıköy: Eine griechisch-orthodoxe Kirche mitten im Zentrum einer Stadt, deren christliche Gemeinden viel kleiner geworden sind
Foto: Wikimedia Commons (Public domain), via Wikimedia Commons
Aya Efimia in Kadıköy: Eine griechisch-orthodoxe Kirche mitten im Zentrum einer Stadt, deren christliche Gemeinden viel kleiner geworden sind
Foto: aachim3 (CC BY 3.0), via Wikimedia Commons

Ikonen, Kerzen, liturgische Bilder und der Altarraum unterscheiden sich deutlich von katholischen Kirchen. Wer beide Traditionen nicht kennt, kann hier sehr schön sehen, wie unterschiedlich christliche Sakralräume gestaltet werden.

Respekt vor Gottesdiensten und Gebetszeiten sollte selbstverständlich sein.

Griechen in Istanbul im 20. Jahrhundert

Die griechische Gemeinde Istanbuls schrumpfte im 20. Jahrhundert stark. Politische Krisen, die Ereignisse vom 6.–7. September 1955, Ausweisungen und wirtschaftlicher Druck führten dazu, dass viele Familien die Stadt verließen.

Kirchen wie Aya Efimia sind deshalb nicht nur religiöse Orte, sondern Erinnerungen an eine wesentlich größere Gemeinschaft, die Kadıköy und Istanbul über Generationen geprägt hatte.

Ein Gebäude kann manchmal mehr Abwesenheit zeigen als Anwesenheit.

Akzeptanz mitten im Zentrum

Was mich bei Kirchen in Istanbul immer wieder berührt, ist ihre Selbstverständlichkeit. Tausende Menschen laufen täglich vorbei. Manche sind Muslime, manche Christen, manche glauben vielleicht gar nicht.

Und die Kirche steht trotzdem mitten im Herzen des Viertels.

Genau das sollte Normalität sein.

Warum religiöse Vielfalt keine Touristenattraktion ist

Man sollte Kirchen, Synagogen und Moscheen nicht nur als exotische Fotostopps sammeln. Sie sind aktive Gotteshäuser.

Menschen kommen dorthin, weil sie beten, trauern, hoffen oder danken.

Wer als Besucher hineingeht, darf staunen. Aber man betritt gleichzeitig einen Raum, der für andere eine sehr persönliche Bedeutung hat.

Mein persönlicher Eindruck

Die Kirche in Kadıköy ist kleiner als St. Antonius, aber genau das macht sie irgendwie besonders. Draußen tobt Kadıköy, Menschen laufen in alle Richtungen, und drinnen ist plötzlich Ruhe.

Wieder dieses Gefühl: Jeder darf respektvoll hineingehen, schauen, staunen.

Für mich ist das kein außergewöhnliches Zeichen von Toleranz, für das man sich gegenseitig Medaillen geben müsste. Das sollte einfach selbstverständlich sein.

Mein Gedanke zu diesem Ort

Mitten in Kadıköy gehen jeden Tag tausende Menschen an Kirchen vorbei, genau wie sie an Moscheen, Restaurants und Geschäften vorbeigehen. Ich finde gerade diese Normalität schön. Ein Gotteshaus muss nicht isoliert irgendwo stehen, damit es respektiert wird.

Wir waren selbst in einer Kirche dort. Gläubige Menschen waren drinnen, Besucher ebenfalls. Und wieder war für mich das Wichtigste: Akzeptanz und Respekt. Du kannst staunen, ohne alles selbst glauben zu müssen. Eigentlich ist es so einfach.

– Amra

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